nachtstill die straßen
deine hand
wärmt sich in meiner
ein alter hund wechselt
herrenlos
auf die andere seite
in manchem fenster
ist noch licht
und mir
ist gerade so
als hättest du was
gesagt
©Joerg Schaffelhofer, Lyrik und Prosa
nachtstill die straßen
deine hand
wärmt sich in meiner
ein alter hund wechselt
herrenlos
auf die andere seite
in manchem fenster
ist noch licht
und mir
ist gerade so
als hättest du was
gesagt
Wie geht’s?
Das fragen sie mich, wenn sie kommen. Und sie kommen seit einigen Wochen. Zwei Herren in Schwarz, mittleres Alter, weitere Gehalts- und Beförderungsstufen im Blick. Haltung gerade, Mimik neutral, Größe mindestens eins achtzig. Glattrasiert.
Ich sage nichts, bin beeindruckt. Denke darüber nach, meinen Elftagebart zu rasieren. Bin nur eins fünfundsiebzig, schaue zu ihnen auf. Wenn ich lachen muss, wende ich mich ab. In eine krumme Haltung hinein.
Ich bin nicht mehr produktiv, ich koste. Werde mit jedem Tag älter. Rücken, Arme und Beine machen nicht mehr so mit, wie es erwartet wird. Das Anziehen morgens fällt schwer, da sind Jogginganzüge die erste Wahl. Die mit buntem Aufdruck gefallen mir und sind für mich erschwinglich. Dunkelgrau bis Schwarz kommt früh genug.
Sie werden noch Wochen lang fragen. Aber danach?
früher
hielt ich
bei der bahnfahrt
den kopf aus dem fenster
und glaubte fest daran
gedanken im wind
loswerden zu
können
heute
sitze ich im ICE
jänner
am weihnachtsbaum
auf der straße hängt noch
die grüne gurke
die welt im rückzug
fenster und türen
verschlossen
morgens statt vogelzwitschern
schwarzbefracktes
krächzen
ende oder anfang?
ich gehe heute
mal wieder
aus
auf dem foto
schimmert unter
ihrem lächeln
leben
noch einmal
durch die gassen gehen
vertraute wege in neuer fremde
menschen
grüßen mich
um die ecke gibt es jetzt
nudeln aus dem wok
statt pommes in der tüte
irgendwo
kirchenglocken – erinnerung
doch mit der alten straße
verschwand hier auch
mein kinderlachen
infusion tropft im
takt meiner
augen
blicke
gehen fehl
im blaulichtzucken
dieser nacht
die tageszeitung
ein eisiger novemberwind
blättert sie durch

unverändert
fällt morgens das
licht durchs fenster
hinein in die leere wohnung
der alten frau schmidt
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